03.11.2009 // Kirche

Post vom bischöflichen Pastoralamt

Die unendliche Geschichte wird fortgesetzt: Kurz vor meinem Urlaub habe ich erneut Post vom Bischofsplatz in Graz bekommen, der Bischof hat also sein Wort gehalten.

Der »Referent für Glaubensinformation, Seelsorge an Menschen mit größerer Distanz zur Kirche, Kirchenaustritte und Wiederaufnahmen« geht kurz auf meine Vorgeschichte ein und erlaubt sich gleich, als Antwort auf mein „Dutzend Themen“ und „Kritikpunkte“ eine von ihm verfasste Broschüre mitzusenden. Der Titel des Heftchen ist »Betrifft: Kirchenkritik. 65 Statements zu bekannten Vorwürfen und kritischen Anfragen an die katholische Kirche« und ist also wieder eine Massenantwort auf Kritik an der Kirche. Gut, ich will nicht zu sehr schimpfen und versuchen mich damit ernsthaft zu beschäftigen (die Broschüre ist als Antworten auf bekannte, einzelne Vorwürfe geschrieben):

Immerhin ist ein Foto der „Atheismuswerbung in England 2009“ abgedruckt, das ist ein Pluspunkt.

Vorwurf 6: „Im Namen von Religion und Kirche wurden viele Verbrechen begangen. Ohne Religionen und Kirchen ginge es menschlicher zu auf der Welt!“
Antwort (sinngemäß): Die katholische Kirche hat die historische Schuld ihrer Vertreter mehrmals öffentlich bekannt. Aber: Der Kommunismus und Nationalsozialismus waren noch viel schlimmer!
Mein Kommentar: Immer ablenken und mit dem Finger auf die Anderen zeigen.

10: „Warum soll Jesus der Sohn Gottes gewesen sein? Können Sie mir beweisen, dass Jesus mehr war als eine interessante religiöse Persönlichkeit?“
„Nein, beweisen kann ich es nicht.“ Aber irgendwer dem Jesus begegnet ist hat daran geglaubt.
Wusste ich es doch, nichts wenig in der Kirche fußt auf Beweisen.

14: „Beweise dafür, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, gibt es nicht. Warum sollte man so etwas glauben?“
„[…] Was an jenem Ostertag geschah, bleibt letztlich ein Geheimnis. […] Die Auferstehung übersteigt naturwissenschaftliche, psychologische und historische Kategorien. […]“
Wieder keine Beweise.

22: „Macht ein Kirchenaustritt die Taufe ungültig?“
„Nein!“.
Verdammt aber auch.

25: „Unfehlbarkeit des Papstes – was soll das?“
Wenn der Papst ein endgültiges Urteil (Dogma) verkündet, vertrauen wir auf Gott, dass die Antwort immer in die richtige Richtung weist.
Der Heilige Geist wirds schon richten …

30: „Gilt die Sonntagspflicht noch?“
„Die katholische Kirche verlangt nach wie vor, dass ihre Mitglieder an Sonn- und Feiertagen die Messe mitfeiern.“
Ich muss zugeben, das war mir neu.

36: „Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?“
„Die Kirche hat keinerlei Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden, weil auch schon Jesus bewusst nur Männer als Apostel ausgewählt hat“ und „die Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe bedeutet keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminerung ihr gegenüber“.
Eine lahme Ausrede, wie ich finde. Aber das ist keine Diskriminierung, klar.

38: „Lehrt die Kirche noch immer, dass man vor der Ehe keinen Sex haben soll? Das ist für uns Jugendliche unverständlich.“
Die Kirche muss die Lebenswelt der Jugendlichen besser verstehen, wir wissen dass ich in unserem Land kaum ein Jugendlicher daran hält, aber: Auf diesem Standpunkt bleiben wir.
Man sieht, wieviel die Jugendlichen von den Werten „ihrer“ Kirche halten.

39: „Soll jede Frau zehn Kinder bekommen? Warum ist die Kirche gegen Verhütung?“
Die Kirche ist gar nicht für unbedachte Vermehrung, sondern nur gegen Verhütungsmittel aber für eine natürliche Empfängnisregelung. Aber: Jedes Verhütungsmittel ist besser als eine Abtreibung.
Ich sage nur: „Die Benutzung von Kondomen verschlimmert das AIDS-Problem“ (Papst Benedikt, XVI.). Weiters ist die Kirche natürlich auch gegen Abtreibung, auch im Falle einer Vergewaltigung.

43: „Warum verlieren Geschiedene alle Rechte in der Kirche?“
„Niemand ist wegen einer Scheidung von den Sakramenten ausgeschlossen.“
Bis sich Geschiedene wieder verheiraten, dann ist’s Schluss mit Lustig und den Sakramenten. Weil das steht ja im Wiederspruch zum Versprechen „Bis der Tod uns scheidet“.

45: „Gibt es für Geschiedene eine Chance, kirchlich zu heiraten?“
„Solange der Partner lebt, dem man das kirchliche Eheversprechen gegeben hat, ist eine neue kirchliche Heirat nicht möglich.“
Außer die Ehe wäre ungültig gewesen und damit zu annullieren – na dann ists ja gut.

46: „Warum lehnt die Kirche praktizierte Homosexualität ab?“
„Nach traditioneller und nach wie vor gültiger Lehre der katholischen Kirche ist homosexuelle Praxis moralisch inakzeptabel weil ihr die Mann-Frau-Polarität fehlt und ihre Akte von sich aus nie für neues menschliches Leben offen sein können.“
Für viele Menschen heute sei dieser Standpunkt „schwer nachvollziehbar“ – oder gar nicht, Ansichtssache, nicht? Eine homosexuelle Partnerschaft dürfe man ja auch nie niemals auf eine Stufe mit der traditionellen Ehe stellen!

 

Ja, es stimmt schon, ich halte von Religion im Allgemeinen und der römisch-katholischen Kirche im Speziellen wenig bis gar nichts. Daher haben natürlich jegliche „Argumente“ für Religion oder Kirche einen schweren Stand. Auch diese relativ sehr offenen Antworten auf Kritikpunkte der Kirche werden es nicht schaffen meine Meinung entscheidend zu verändern. Ich bleibe also dabei, aus der Kirche ausgetreten zu sein und mich als Atheist zu bezeichnen.

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